Tipps gegen Ferien-Stress

Strategien gegen den Ferien-Stress

Urlaub dient der Erholung. Warum empfinden Eltern diese Zeit häufig als zusätzliche Vollast? Ferien sind für fast alle Kinder meistens eine gute Nachricht, für viele Eltern jedoch nicht immer. Sechs Wochen keine Schule und der Kindergarten hat ebenfalls geschlossen. Der Urlaub reicht vielleicht für noch zwei oder drei Wochen, und der Arbeitgeber erwartet, dass die Arbeit pünktlich und zuverlässig erledigt wird. Dazu kommen Einkäufe, Haushalt und Termine. Dieser Artikel gibt Tipps, die schönste Zeit im Jahr, stressfrei zu gestalten, u.a. durch weniger Aktionismus und Perfektion und mehr Gelassenheit.

Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)

Zu den normalen Aufgaben des Familienalltages kommt der Wunsch und Anspruch hinzu, dass die Ferien besonders schön sein und die Kinder etwas erleben sollen. Möglichst viel gemeinsam unternehmen, weil man eventuell auch in letzter Zeit zu viel um die Ohren hatte oder die Kinder beispielsweise den Papa unter der Woche zu wenig vor Gesicht bekommen. Gemeinsam möchte man etwas unternehmen und das möglichst ohne Streit und Konflikte. Kinder stehen dabei oft an erster Stelle, Eltern stecken Ihren benötigen Erholungsbedarf zurück, obwohl dieser mindestens genauso wichtig ist, wenn nicht sogar wichtiger als das Entertainment für die Familie.

Der Ferien-Stress neben der Urlaubsvorbereitung oder nach dem Urlaub beginnt oft täglich mit der Frage:

Was machen wir eigentlich heute mit den Kindern? Das ist ein ziemlich hoher Anspruch.

without-stress.com empfiehlt: Ferien müssen nicht perfekt organisiert werden. Sie müssen funktionieren. Nicht versuchen, alle sechs Ferienwochen im Voraus perfekt zu planen. Besser ist es, die wirklich schwierigen Tage zuerst zu erkennen. Wann muss gearbeitet werden? Wann gibt es keine Betreuung? Wo entstehen Lücken? Genau dort sollte die Planung beginnen.

Wer betreut die Kinder eigentlich?

Eine der größten Stressfaktoren entsteht oft gar nicht in den Ferien selbst, sondern bei der Organisation davor. Da ist beispielsweise der Mittwoch, an dem beide Eltern arbeiten müssen. Die Großeltern sind 200 Kilometer entfernt. Der Ferienhort hat geschlossen.

Also wird herumtelefoniert:

  • „Kannst du vielleicht am Mittwoch?“
  • „Nur bis 14 Uhr.“
  • „Dann könnte ich vielleicht früher Schluss machen.“
  • „Aber wer holt sie dann ab?“


Und schon ist aus einem einzigen Ferientag ein kleines Logistikprojekt geworden.

Es hilft, solche Tage frühzeitig sichtbar zu machen. Ein gemeinsamer Kalender am Kühlschrank reicht dafür völlig aus. Urlaubstage eintragen, Ferienbetreuung ergänzen, Großeltern integrieren, vielleicht noch Freunde oder andere Familien. Manchmal ergeben sich dabei erstaunlich einfache Lösungen.

Tipp mit Beispiel: Eine befreundete Familie hat beispielsweise zwei Kinder, die ohnehin gerne mit den eigenen Kindern zusammen spielen. Warum also nicht einen ganzen Nachmittag gemeinsam organisieren? Oder sich abwechseln. Einmal sind die Kinder bei der einen Familie, ein anderes Mal bei der anderen. Nicht mit dem Ziel, eine perfekte Betreuungsorganisation aufzubauen. Es reicht schon, wenn sich gelegentlich jemand gegenseitig einen Nachmittag freihält. Das muss keine komplizierte Vereinbarung werden.

Auch Ferienprogramme können solche Lücken schließen. Ein Fußballcamp für einen Vormittag. Ein Ferienzeltlager. Ein Tagesausflug des örtlichen Vereins. Ein Schwimmkurs. Nicht jede Betreuung muss eine komplette Ferienwoche abdecken.

Arbeiten in der Ferienzeit

Eine besonders anstrengende Variante ist das sogenannte „Nebenbei-Arbeiten“.

Negatives beispiel der Ferienarbeit

  • Morgens schnell zwei Stunden E-Mails.
  • Danach Frühstück machen.
  • Zwischendurch ein Telefonat.
  • Danach einkaufen gehen.
  • Während die Kinder spielen, noch einmal an den Laptop.
  • Am Nachmittag noch kurz eine Präsentation fertig machen.

Eigentlich wollte man am Nachmittag mit der Familie etwas unternehmen. Am Ende hat man gearbeitet und gleichzeitig aufgepasst, undnd genau das ist das Problem.

without-stress empfiehlt: Lieber in Zeitblöcken mit Fokus arbeiten, und einem klaren Nein zur persönlichen Verfügbarkeit, anstatt ständig ein bisschen.

Wer schon einmal versucht hat, an einem Küchentisch eine wichtige Präsentation fertigzustellen, während im Hintergrund zwei Kinder diskutieren, weiß, wie wenig produktiv das sein kann.

Postives Ferienarbeiten-Beispiel

  • Montag und Dienstag wird gearbeitet.
  • Mittwoch bis Freitag ist Urlaub.
  • Oder morgens zwei feste Stunden Arbeit und danach wirklich Feierabend.

Nicht jede Familie kann das so umsetzen. Aber selbst kleine Grenzen helfen.

Tipp: Wenn Sie während der Ferien arbeiten müssen, legen Sie möglichst feste Arbeitszeiten fest. Sagen Sie auch den Kindern, wann Sie ansprechbar sind und wann nicht. Ein Schild an der Tür, ein fester Arbeitsplatz oder zwei Stunden mit Unterstützung des Partners können bereits viel verändern.

Das Ferienprogramm darf auch einmal ausfallen

Es gibt Familien, bei denen jeder Ferientag aussieht wie ein Ausflugskalender. Beispiel:

  • Montag Zoo.
  • Dienstag Schwimmbad.
  • Mittwoch Freizeitpark.
  • Donnerstag Fahrradtour.
  • Freitag Museum.
  • Samstag Familienbesuch.
  • Sonntag Grillen.

Klingt schön. Kann aber anstrengend sein. Vor allem dann, wenn die Kinder eigentlich gar keine Lust mehr haben.

Ein Ferientag darf auch einmal so aussehen:

  • Aufstehen.
  • Frühstück.
  • Eine Stunde Lego.
  • Irgendwann rausgehen.
  • Mittagessen.
  • Nachmittags mit anderen Kindern spielen.
  • Abends vielleicht noch ein Film.
  • Das war’s.

Und genau solche Tage können für Eltern und Kinder manchmal die angenehmsten sein.

without-stress empfiehlt: Planen Sie bewusst freie Tage ein. Schreiben Sie ruhig „Nichts geplant“ in den Kalender. Kinder müssen nicht jeden Tag beschäftigt werden. Ein leerer Nachmittag ist keine verlorene Ferienzeit.

Langeweile ist wichtig und ist förderlich

Diesen Satz kennen vermutlich alle Eltern:

„Mir ist langweilig.“

Die spontane Reaktion lautet häufig:

„Dann such dir etwas zum Spielen.“

Oder man macht sofort einen Vorschlag:

  • „Warum malst du nicht?“
  • „Geh doch raus.“
  • „Ruf doch deinen Freund an.“

Dabei muss Langeweile nicht sofort beseitigt werden.

Nach einer Weile kommen Kinder oft selbst auf Ideen, beispielsweise:

  • Eine Höhle im Wohnzimmer bauen.
  • Mit einem alten Karton etwas basteln.
  • Im Garten einen Parcours aufbauen.
  • Die Nachbarskinder holen.
  • Ein eigenes kleines Fußballturnier veranstalten.

Wichtig: Natürlich klappt das nicht immer. Und natürlich kann ein Kind auch einfach einmal gelangweilt auf dem Sofa liegen. Das ist ebenfalls kein Drama.

Haushalt in den Ferien

Vielleicht ist das einer der einfachsten Punkte und trotzdem einer der schwierigsten:

  • Die Küche muss nicht zweimal am Tag gründlich sauber gemacht werden.
  • Es muss nicht immer frisch gekocht werden.
  • Die Wäsche kann auch einmal bis morgen warten.
  • Und wenn am Dienstag Tiefkühlpizza auf dem Tisch steht, ist das kein pädagogisches Versagen.

Ferien sind nicht die Zeit, in der neben der Kinderbetreuung auch noch der gesamte Haushalt auf Höchstleistung laufen muss.

without-stress empfiehlt rät dazu: Legen Sie vor den Ferien fest, welche drei Dinge wirklich wichtig sind. Zum Beispiel Essen, Wäsche und ein halbwegs aufgeräumtes Zuhause. Alles andere darf in dieser Zeit etwas weniger wichtig sein.

Streit über Smartphone und Tablet

Ein weiterer Klassiker. Das Kind schaut einen Film. Folgende Dialoge entstehen beispielsweise:

  • „Noch zehn Minuten.“
  • Zehn Minuten später: „Jetzt mach aus.“
  • „Aber ich bin noch nicht fertig.“
  • „Du hattest doch schon zwei Stunden!“
  • „Nein, hatte ich nicht!“

Und plötzlich streitet die ganze Familie über eine halbe Stunde Bildschirmzeit. Deshalb ist es wichtig die Regeln vorher zu besprechen.

Ideen:

  • Vielleicht gibt es morgens kein Tablet.
  • Vielleicht darf am Nachmittag eine bestimmte Zeit gespielt werden.
  • Vielleicht wird im Urlaub weniger streng damit umgegangen.

digital.without-stress: Vereinbaren Sie Bildschirmzeiten möglichst dann, wenn gerade niemand darüber streitet. Also nicht in dem Moment, in dem das Tablet bereits in der Hand ist. Welche Regel funktioniert, ist von Familie zu Familie verschieden. Wichtig ist vor allem, dass sie nicht jeden Tag neu erfunden wird.

Eltern brauchen ebenfalls eine Pause

Die Kinder haben Ferien. Aber die Eltern haben nicht automatisch Ferien voneinander. Das wird bei Ferienplanung gerne vergessen. Wenn beide gleichzeitig versuchen, alles zu erledigen, entsteht schnell das Gefühl, dass jeder alles alleine macht. Der eine bringt die Kinder zum Schwimmen und erledigt anschließend den Einkauf. Der andere sitzt im Homeoffice und arbeitet. Am Nachmittag tauscht man sich ab, aber niemand hat wirklich Pause.

Deshalb kann eine ganz einfache Absprache helfen.

  • „Von 9 bis 12 Uhr bist du dran.“
  • „Dann habe ich drei Stunden für mich.“
  • „Und nachmittags wechseln wir.“

Das muss nicht jeden Tag funktionieren. Aber an schwierigen Tagen kann es Gold wert sein.

Wichtig!!! Nicht vergessen: Eltern sind nicht nur Mama und Papa, sondern auch ein Paar, mit dem Anspruch auf Zweisamkeit und gemeinsamer Ferienzeit. Das gilt auch für Alleinerziehende. Zur Pflege des Familienglücks ist es wichtig, dass Eltern nicht nur an ihre Kinder denken und das Ferien ausschließlich von den Interessen der Kinder lenken lassen, sondern auch sich als Urlauber-in sehen, dies kommunizieren, wertschätzen und leben. So können Beziehungsprobleme vermieden oder sogar geklärt werden.

Nicht warten, bis jemand explodiert

Ein Satz wie „Ich kann heute nicht mehr“ sollte innerhalb einer Familie kein Vorwurf sein. Es ist eine Information. Vielleicht hat jemand schlecht geschlafen. Vielleicht war der Arbeitstag besonders anstrengend. Vielleicht gab es seit drei Stunden Streit.

Tipp: Es ist besser zu sagen: „Ich brauche jetzt eine Stunde Ruhe“ als eine weitere Stunde durchzuhalten und anschließend wegen einer Kleinigkeit völlig aus der Haut zu fahren. Manchmal reichen dafür schon 20 Minuten.

Energietanken kann so einfach sein. Eine Runde laufen. Alleine spazieren gehen. Schwimmen. Kopfhörer aufsetzen. Im Garten sitzen. Oder einfach einmal in Ruhe duschen. Es muss nicht immer die große Auszeit sein. Auch ein Mittagsschlaf oder ein Power-Nap kann firsche Energie zuführen.

Und wenn es trotzdem zu viel wird?

Dann darf man die Notlösung benutzen. Beispielsweise:

  • Essen bestellen.
  • Ausflug absagen oder verschieben.
  • Kinder länger fernsehen lassen.
  • Digitale Medienzeit verlängern
  • Großeltern anrufen.
  • Haushalt ignorieren.
  • Verabredungen verschieben.
  • Den Arbeitstag früher beenden oder früher beginnen.

Das sind keine Niederlagen. Es sind Möglichkeiten, einen schwierigen Tag zu entschärfen.

without-stress rät: Legen Sie für sich selbst ein kleines „Ferien-Notfallprogramm“ fest. Drei oder vier Dinge, die Sie ohne schlechtes Gewissen machen dürfen, wenn die Belastung zu groß wird.

Vielleicht die wichtigste Gedanke für entspannte Ferien mit der Familie?

  1. Es muss nicht alles klappen.
  2. Die Kinder müssen nicht sechs Wochen lang glücklich sein.
  3. Das Haus oder die Ferienwohnung muss nicht ordentlich sein.
  4. Jeder Tag muss kein Erlebnis werden.
  5. Und auch Eltern dürfen einmal sagen: „Heute machen wir gar nichts.“

Vielleicht sind es am Ende gerade diese unspektakulären Tage, an die sich alle gerne erinnern.

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